Mein BLOG

23. Oktober 2018

Heute möchte ich endlich mit meinem BLOG beginnen, in dem ich immer wieder Themen aus meinem Praxis-Alltag ansprechen möchte. 

Was macht ein Psychotherapeut eigentlich?

Was passiert da so in einer Therapiestunde?

Wie baut sich eine Therapie auf?

Alles beginnt mit der Erst-Kontaktaufnahme des Hilfe-Suchenden per Email oder Telefonanruf. Oft wird dabei die eigentliche Problematik gar nicht angesprochen, sondern einfach ein Ersttermin in meiner Praxis vereinbart.

Wichtig ist mir allerdings, darauf hinzuweisen, dass ich als Heilpraktiker nicht mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen darf. Viele denken, dass mit einer Überweisung eines Arztes zu einem Psychotherapeuten genauso wie mit jedem Facharzt über die Krankenkasse abgerechnet werden kann. Diese Klärung ist mir wichtig, damit nach dem Erstgespräch kein Missverständnis entsteht.

Ich weise darauf zwar auch auf meiner Homepage hin, dennoch erledigen sich immer wieder Erstgespräche aufgrund dieses Hinweises beim Erstkontakt via Email oder Telefonat.

Wenn es dann zu einem Ersttermin kommt, laufen die ersten 5 Minuten oft sehr ähnlich ab. Meist ist der Klient natürlicherweise nervös. Viele sind zum ersten Mal bei einem Psychotherapeuten und unsicher, was der Therapeut – ich – nun mit ihnen anstellen wird. Ich versuche dann erst einmal ein bisschen die Spannung aus der Situation zu nehmen. Dann beginnen die Klienten meist mit den Worten „Ich weiß gar nicht so recht, womit ich anfangen soll“. Ich empfehle dann meist, es einfach sprudeln zu lassen und mit dem anzufangen, was einem gerade in diesem Moment durch den Kopf geht. Dies hilft meist, um das Gespräch in Gang zu bringen. Oft fließen dann auch schon die ersten Tränen. Darauf bin ich natürlich vorbereitet. Ich kläre auf, dass meine Praxis ein geschützter Raum ist und Sie als Klient alles rauslassen können/sollten – ohne Scham, ohne Bedenken „was wird der jetzt von mir denken“.

Als Heilpraktiker unterliege ich der Schweigepflicht und während einer Sitzung darf alles, aber nichts muss. Das ist mir sehr wichtig.

Während dieses Erstgespräches oder auch gern von mir genannten Kennenlerngespräches versuche ich möglichst viel von Ihnen zu erfahren. In welchem Bereich liegen Ihre Probleme, wie gestaltet sich Ihr Leben, in welchen familiären Verhältnissen leben Sie, welchen Job üben Sie aus, etc.

Wichtig ist mir natürlich auch, dass Sie für sich entscheiden, ob ich für Sie eigentlich der richtige Therapeut bin. Eine Psychotherapie bedarf eines sehr großen Vertrauens, da Sie als Klient natürlich sehr offen und ehrlich sein müssen. Das funktioniert ohne Vertrauen nicht.

Heilen? Das Wort heilen impliziert bei mir immer, dass etwas kaputt sein muss. Meine Klienten – Sie – sind aber nicht kaputt! Es ist meist nur etwas fehl justiert. Ich vergleiche es immer gern mit einem Radio, dass 5 Jahre lang astrein funktioniert hat und nun auf einmal rauscht. Ist es nun kaputt? Nein! Würden Sie es wegwerfen? Nein! Meist reicht ein Drehen am Frequenzknopf um wenige Millimeter aus und das Radio funktioniert wieder. So sehe ich es auch in der Psychotherapie. Einige Stellknöpfe müssen neu eingestellt, verstellt werden und dabei möchte ich behilflich Ihnen sein. Denn verstellen müssen Sie diese Knöpfe selber. Ich kann Ihnen dabei aber helfen.

Ich bin auch niemand, der Ihnen hilft, um etwas „wegzumachen“. Ziel einer Psychotherapie sollte es immer sein, dass Sie sich mit den Dingen, die Sie stören, beeinträchtigen, etc. arrangieren und diese auf den aktuellen Stand bringen. Meine Aufgabe sehe ich darin, Sie dabei möglich effizient und lösungsorientiert zu unterstützen.

So, das soll es für’s Erste gewesen sein. Beim nächsten Mal werde ich über die Wichtigkeit der „Hausaufgaben“ schreiben und darüber, dass die Zeit zwischen 2 Therapiestunden das eigentlich Wichtige einer Psychotherapie ist.

Ich freue mich über einen Erstkontakt mit Ihnen!

16. März 2019

Ein Beispiel für eine Therapie:

Eine junge Frau kommt zu mir, ersichtlich ist ihr massives Untergewicht. 36 kg bei 1,62 m Größe.

Sie wirkt sehr traurig und ängstlich. Im Gespräch kommt heraus, dass Sie sich für wertlos hält und sich selber auch gar nicht mag. Sie hat insgesamt knapp 3 Jahre Klinikerfahrung hinter sich. Sie wirkt sehr sensibel aber auch unsicher. Auf meine Frage, wie sie ihre Klinikaufenthalte erfahren hat, sagte sie so schön zynisch: Ich weiß, wie sich Schweine bei der Mast fühlen.

Es ging bei den Klinikaufenthalten einzig und allein um Gewichtszunahme, 500 Gramm pro Woche. Was sie gern isst, wann sie gern isst, etc. ist sie nie gefragt worden. Auch wurde nie hinterfragt, woher ihre Essstörungen denn herrühren könnten.

Als sie mich fragte, wann und wie oft sie sich wiegen solle, sagte ich nur: von mir aus gar nicht.

Wenn die Hose enger wird, hast Du zugenommen, wenn die Hose loser wird, hast Du abgenommen. Da mussten wir beide lachen. Das war sie nicht gewöhnt, denn in der Klinik wurde sie morgens und abends „eingewogen“. Jede Mahlzeit wurde mit der Anzahl der Kcal, des Gewichtes aller Zutaten und der Uhrzeit des Essens genau festgehalten.

Ihre Essstörungen stellten für mich, wie bei jeder Therapie, lediglich das Symptom dar. Mich interessierte, wieso sie diese Essstörungen hatte. Mein Motto ist immer: Wenn die Ursache herausgefunden wird, verschwindet das Symptom meist auch.

Unser gemeinsamer Ansatz war: Was isst Du gern, wann isst Du gern, wie verläuft Dein Tagesablauf, was macht Dir Spaß, was vermisst Du am meisten?

Sie hatte Angst vor allem und war geradezu erstarrt in ihrem Leben.

Wie haben wir das Problem gemeinsam gelöst???

Hmm, das war ein harter, aber am Ende erfolgreicher Weg. Es ging in erster Linie darum, die Ursache ihrer Essstörungen herauszufinden (Kindheit, Beziehungen, etc.) und daran aktiv zu arbeiten.

Mittlerweile hat sie einen Sinn in ihrem Leben gefunden und isst ganz „normal“.

 

 

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